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Fernlicht #2 – Deutsche Einheit

Der 03. Oktober ist einer der halbherzigst begangenen Nationalfeiertage der Welt. Dennoch sollten Konservative an seiner Bedeutung festhalten: Es ist eine jährliche Erinnerung an die Idee einer deutschen Nation.

konflikt

Deutschland gruselt sich heute, denn tatsächlich soll der heutige Nationalfeiertag an ein wichtiges Ereignis der deutschen Geschichte erinnern. Dies ist ein zweifacher Tabubruch für die Hohepriester und guten Menschen. Einerseits darf natürlich in unserer Vergangenheit kein positives Ereignis gefunden werden, da die herrschende Ideologie deutsche Geschichte auf die Jahre 1933-1945 reduzieren will. Andererseits ruft ein “National”-Feiertag unwillkürlich Erinnerungen an etwas hervor, das heute als allgemeines Tabu gilt: Die Nation.

Nun sind die Nation und der Nationalstaat mittlerweile selbst unter Rechten ein Diskussionsthema. Für die Einen kann eine Welt ohne Nationen nicht existieren, da sie das politische Geschehen grundlegend durch den Nationalstaat konstituiert sehen. Für die Anderen liegt in einer Zukunft, in der die Nation und Nationalstaaten überwunden wurden, die Lösung heutiger Probleme – sie weisen etwa darauf hin, dass der moderne kapitalistische Nationalstaat überhaupt erst den Weg für Globalismus und Neoliberalismus bereitete. Es ist dies eine politphilosophische Diskussion, die man nicht endgültig entscheiden kann, da wir – anders als Linke – niemals absolute Wahrheiten auf der weltlichen Ebene finden werden.

Ebenso wie die Vertreter einer postnationalen Rechten verstehen wir den Nationalismus als eine der drei Ideologien der europäischen Moderne – wir sehen, welche Probleme sich sowohl theoretisch als auch ganz konkret ergeben, wollte man bruchlos an ihn anknüpfen. Dennoch möchten wir im Folgenden anschneiden, warum unserer Meinung nach die Nation und der Nationalstaat durchaus auch für eine Neue Konservative Revolution als Grundbegriffe zu gebrauchen sind. Dafür müssen wir uns in einem ersten Schritt bewusst machen, dass die Moderne, von der wir sprechen, eben keineswegs eine universalhistorische Kategorie darstellt, sondern spezifisch als Phase der europäischen Geschichte begriffen werden muss. Die Nation jedoch, die der klassische Nationalismus zum Subjekt seiner eigenen modernistischen Fortschrittsideologie ernannte, existiert auch außerhalb dieses kontingenten Zeit-Raums.

Sun Yat-sen – ein wichtiger politischer Vordenker und Revolutionär anfangs des 20. Jahrhundert in China – forderte für das China nach dem Sturz des Kaisers eine nationale, soziale und politische Revolution. Für ihn sollten eben diese das Volk, welches sich durch die Nation und den Staat verkörperte, aus der misslichen Lage retten.

Dabei sprach er von einer nötigen Grundlehre:

Eine Grundlehre ist »eine Idee, ein Glaube und folglich eine Macht. Wenn man Wege zur Lösung eines bedeutsamen Problems sucht, kann sich als Resultat eine Idee ergeben; und in dem Maße, in dem sich diese Idee vertieft, entsteht ein Glaube, der zu einer Macht werden kann. So muß eine Grundlehre mit einer Idee beginnen, die Glauben erweckt und Macht erzeugt. Warum behaupten wir, daß die >drei Grundlehren vom Volk< einen Weg zur Rettung der Nation verkörpern? Weil sie darauf gerichtet sind, das internationale Gleichberechtigung nach außen sowie ein politisches Gleichgewicht und eine wirtschaftliche Gerechtigkeit im Innern zu erwirken, um Chinas Fortbestand in dieser Welt zu sichern«
Die Idee der Nation und des Nationalstaates sind für Sun Yat-sen kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um das chinesische Volk zu retten. Es ist die Idee der Nation, einer Schicksalsgemeinschaft, die die einzelnen Individuen zusammenschweißt, um so eine Ebene für Politik und Macht zu errichten. Karl Jaspers, gewiss kein rechter Philosoph, warnte in einem anderen Kontext vor einer ideenlosen Welt, die dem Menschen schadet:
 
Die bloße Daseinsgegenwart im Lebensjubel wie die trostlose Entschlossenheit im Ertragen des Nichts vermögen nicht zu retten. Beide sind wohl unentbehrlich als augenblickliche Zuflucht im Versagen, aber sie reichen nicht aus. Der Mensch bedarf, um selbst zu sein, einer positiv erfüllten Welt. Wenn diese verfallen ist, die Ideen gestorben scheinen, so ist der Mensch so lange sich verborgen, als er nicht wieder im eigenen Hervorbringen die in der Welt ihm entgegenkommenden Idee findet.
 
Was bedeutet dies für den heutigen Tag und für uns Deutsche? Darauf soll an dieser Stelle keine eingehende Antwort erfolgen, sondern zunächst eine Denkanregung. Es ist sicher schwer, für die BRD und ihre Feiertage Loyalität zu empfinden, jedoch sollte man deswegen nicht die Idee der Nation verwerfen. Zwar mag der 3. Oktober ein künstlicher Feiertag sein, der im Jahresrhythmus kühl und belanglos abgehandelt wird. Selbst die politische Klasse unseres Landes schert sich kaum noch um diesen – ihren – “Feiertag”. Man schaue nur auf das seit 13 Jahren beschlossene und noch immer unvollendete “Wippe”-Denkmal. Und dennoch erinnert uns dieser Tag an ein wichtiges Ereignis in der deutschen Geschichte; trotz alledem, möchte man sagen, ist es ein historischer Bezugspunkt für jeden patriotischen Deutschen. Auch wenn unsere Geschichte temporär suspendiert wird: Wir sind keine geschichtslosen Subjekte. Und so sehr sich Politik und Medien auch bemühen, selbst an diesem Ersatz-Feiertag jede Vaterlandsliebe zu vermeiden – und so sehr sie damit sogar bis ins rechte Lager hinein Erfolg verzeichnen – so sehr wissen wir auch, dass die Idee der Nation noch präsent ist. Denn im Gegensatz zum modernen Nationalismus ist sie tatsächlich eine überhistorische Konstante, die Idee der politischen Einheit eines gewachsenen, geteilten und wiedervereinigten Volkes.
 
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Veröffentlicht in Fernlicht

Ein Kommentar

  1. Meruem Meruem

    Ich sehe aus rechter Perspektive nun auch keinen wirklichen Anlaß, ausgerechnet diesen Tag zu feiern. Dieser “Feiertag” wurde schließlich schon bewußt so angelegt, daß er sich nicht wirklich für patriotische Zelebrierungen eignet. Da wäre der 9. November wesentlich geeigneter.

    Gerade auch in Hinblick auf die Entwicklungen nach 1990 kommt ja sogar zunehmend die Frage auf, ob wir uns nicht in einer für Rechte/Patrioten bzw. Deutsche im Allgemeinen wesentlich besseren Ausgangslage befänden, wenn es zu dieser “Wiedervereinigung” (zumindest in der Form) nie gekommen wäre.

    Dennoch stimmt es, daß es solcher Festtage bedarf, um die absolut richtige Idee der Nation am leben zu erhalten – besser noch; neu zu befeuern. Aber dafür gibt es ein wesentlich passenderes Datum. In wenigen Monaten wird der erste deutsche Nationalstaat, das von Bismarck geschmiedete Reich sein 150. Jubiläum begehen. Solche Ereignisse in Erinnerung zu behalten, als nationale Gedenktage wiederzuentdecken und zu feiern, erscheint mir wesentlich sinnvoller. Gerade auch, weil sie sich nicht von der BRD vereinnahmen lassen, vielmehr sogar eine klare Absage zum herrschenden globalistisch-antideutschen Narrativ dieses Staates samt seiner Autoritäten darstellen.

    Der kommende 150. Reichsgründungstag hat jedenfalls ein wesentlich größeres Potential zu einem patriotischen Großevent zu werden als 30 Jahre BRDDR.

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