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Kleines Begriffshandbuch

Das folgende Handbuch wird fortlaufend erweitert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es handelt sich um kurze, einführende Darlegungen wichtiger Begriffe, die wir oft nutzen.

konflikt

B
Bolschewismus
Bezeichnung für organisierte kommunistische Bestrebungen, geht zurück auf die Bolschewiki (“Mehrheitler”), Lenins Fraktion innerhalb der russischen kommunistischen Bewegung. Heute zumeist abwertend bezeichnet. Vor allem westeuropäische Sozialisten und Sozialdemokraten haben sich immer vom Bolschewismus distanziert und abgegrenzt.
H
Hegemonie
Unangefochtene Vorherrschaft über einen bestimmten Raum. Im geopolitischen Sinne werden etwa die USA als stärkste Wirtschafts- und Militärmacht häufig als Hegemon der westlichen Hemisphäre bezeichnet. Im metapolitischen Kampf ist der Hegemon diejenige Seite, die der breiteren Öffentlichkeit ihre eigenen Werte und ihr eigenes Weltbild als Standard auf- und unterlegene Fraktionen unterdrücken kann. Im Augenblick haben in Deutschland linke und liberale Kräfte die metapolitische Hegemonie inne.
Humanismus
Der Humanismus stellt, seinem Namen gemäß, den Menschen in den Mittelpunkt seiner Weltsicht. Dabei kann er den Menschen beispielsweise religiös begründet als Höhepunkt der Schöpfung, darwinistisch als Endprodukt einer Naturgeschichte oder philosophisch als vernunftbegabtes Wesen betrachten; zentral ist jedoch stets, dass der Mensch selbst im Denken zentriert wird (und nicht etwa Gott, die Natur, oder die Vernunft). Dieser eher abstrakte Gedanke entstand mit der frühen Aufklärung in Europa; seine Wurzeln liegen jedoch weitaus früher in der griechischen Philosophie und dem Christentum. Gerade weil er so weit gefasst ist, eignet der Begriff des Humanismus, ebenso wie der des Menschen, nur kaum für politisches Denken – heutzutage taucht er vor allem in linken und globalistischen Ideologemen wie dem von der “Menschenfeindlichkeit” bzw. der “einen Menschheit” auf.
K
Kommunismus
Der Kommunismus zielt auf die klassen- und herrschaftsfreie Gesellschaft ab, also auf die Gesellschaft der Gleichen. Dabei unterscheidet er klassisch (im Marxismus) zwischen verschiedenen rein ökonomischen Klassenstandpunkten – am wichtigsten: Proletariat und Bourgeoisie –, die sich feindlich gegenüberstehen. Die liberale Gesellschaft wird als Mittel zur Ausbeutung der Arbeiter (Proletariat) durch die Kapitalisten (Bourgeoisie) verstanden, weshalb die Arbeiter ihrerseits eine Diktatur errichten und, nach der Entmachtung und Enteignung der Bourgeoisie, eine Gesellschaft der Freien und Gleichen errichten sollten. Im selben Maße, in dem die gesellschaftlichen Konfliktlinien komplexer wurden, verlor dieser klassische Kommunismus (nach seinen Vordenkern auch als “Marxismus”/”Marxismus-Leninismus” etc. bezeichnet) an politischem Einfluss, und an seine Stelle setzten sich Kommunismus-Vorstellungen, die neben der ökonomischen Klasse noch die Kategorien der Rasse, des Geschlechts, der sexuellen Identität etc. politisierten. Insofern diese Modifikationen einen grundsätzlichen Bruch mit dem klassischen Marxismus darstellten, lässt sich die Ideologie der radikalen Neuen Linken als zweite Spielart des Kommunismus neben dem klassischen marxistischen Kommunismus bezeichnen.
Konservatismus
Der Konservatismus, der sich vom lat. Wort für “bewahren” ableitet, zielt im Grunde auf die Erhaltung eines Sozialkörpers, also etwa einer Familie, eines Stammes oder einer Nation, sowie auf die Sicherstellung seiner Existenzumstände durch staatliche Souveränität, Wehrhaftigkeit, Versorgung und nachhaltiges Wirtschaften. Als konkretes politisches Programm bedeutet Konservatismus also eine systematische Stärkung von Volks- und Staatserhaltendem (z.B. Familie, traditionelle Geschlechterrollen, ethnokulturelle Identität, Religiosität, Patriotismus, Tradition) sowie eine systematische Ächtung und Bekämpfung von Volks- und Staatsschädlichem. Ein Abtreibungsverbot etwa befördert die natürliche Geschlechterrolle der Frau als Mutter, stärkt die Motivation zu familiären Bindungen und vermindert die subjektive Bereitschaft zu kurzfristigen sexuellen Beziehungen. Es ist damit ein Paradebeispiel für konservative Reformbestrebungen.
L
Liberalismus
Der Liberalismus, der sich vom lat. Wort für “Freiheit” ableitet, zielt im Gegensatz zum Konservatismus nicht auf die Erhaltung eines Sozialkörpers ab, sondern auf die Maximierung der Handlungsoptionen seiner Angehörigen. Im Regelfall ist damit gemeint, dass individuelle Menschen sowie private Organisationen größtmögliche Handlungsfreiheit und minimale staatliche Beschränkung genießen. Dabei lässt sich ein klassischer Liberalismus für die Frühphase der Moderne beschreiben, der noch wesentlich auf die ökonomische und politische Freiheit der Bürger gegenüber Adel und Klerus abzielte. Im selben Maße, wie der Liberalismus diese Freiheiten in den westlichen Ländern durchsetzte, musste er seinen Gegner wechseln, um nicht überflüssig zu werden. Insbesondere in den USA, aber zunehmend auch in Europa, ist der Liberalismus daher im Wesentlichen in zwei Lager gespalten: Das libertäre oder marktliberale Lager zielt auf maximale wirtschaftliche Freiheit – bspw. durch Abschaffung von Steuern und Marktregulierungen – ab, während das sozialliberale Lager zunehmend die Enttabuisierung und Legalisierung traditionell geächteter bzw. verbotener Handlungen anstrebt: Dazu gehören neben dem sog. Recht auf Abtreibung auch der Drogen- und Pornographiekonsum, die Ehescheidung, homosexuelle Beziehungen etc. Freiheit wird hier also als individuelle Handlungsfreiheit, sowie als Freiheit von den Konsequenzen unmoralischer Akte gedeutet. Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet Liberalismus auch Anarchie, da die immer fortschreitende Atomisierung der Gesellschaft jegliche kollektive Verbindungen und Gemeinsamkeiten auflöst und nur noch das Individuum zählt.
Liberalkonservatismus
Der Liberalkonservatismus stellt eine merkwürdige Synthese aus Konservatismus und Liberalismus dar, indem er den Liberalismus von gestern gegen den Liberalismus von heute verteidigen will. Dabei handelt es sich zum einen um eine notwendige Reaktion auf die Widersprüche des Liberalismus: Indem dieser, sobald er eine Freiheit “errungen” hat, nicht still stehen bleiben kann, sondern sogleich die nächste Unfreiheit attackieren muss, kann er sich gewissermaßen selbst in den Schwanz beißen, wenn er etwa die Freiheit der moslemischen Einwanderer auf Ausübung ihrer Religion gegen den Säkularismus in Feld führt, den er selbst erst gestern der christlichen Religion abgerungen zu haben meint. Zeitgleich spricht der Liberalkonservatismus aber eben in dieser Berufung auf den Liberalismus von gestern unter seinen Anhängern ein Bedürfnis nach Bewahrung und Identität an; schließlich nehmen sie die klassischen liberalen Postulate idealistisch ernst und wollen sie verteidigen, wie ein authentischer Konservatismus den eigenen Staat und sein Volk verteidigt. Es handelt sich also beim Liberalkonservatismus um eine Fehlgeburt des Konservatismus, der zwar von einem richtigen Impuls angetrieben wird, aber im ideologischen Dickicht des herrschenden Liberalismus hängen bleibt. Der Liberalkonservatismus zieht dabei gerne den Mantel des “echten” Konservatismus an, bleibt aber immer nur eine Karikatur.
M
Metaphysik
Wörtl. über den Körpern; bezeichnet die philosophische Betrachtung der grundlegenden Kategorien der Existenz: Sein, Zeit, Subjekt, etc. Ein klassisches Beispiel für eine metaphysische Betrachtung ist das Verhältnis von Subjekt und Objekt: Anhand der Frage “Wenn im Wald ein Tier brüllt und niemand da ist, um es zu hören, hat es dann wirklich gebrüllt?” kann das Verhältnis von Subjekt und Objekt als Verhältnis von Wahrnehmendem (der vorhandene bzw. nicht-vorhandene Zuhörer) und Wahrgenommenem (das Tier) dargestellt werden; alternativ lässt es sich jedoch ebenso gut als Verhältnis von Aktivem (z.B. einem Zimmermann) und Passivem (z.B. seinem Holz) darstellen. Je nachdem, welches metaphysische Verständnis der Philosophie zugrunde gelegt wird, kann dasselbe Phänomen komplett unterschiedlich beschrieben und gedeutet werden. Dennoch findet die meiste Metaphysik im Denken eher implizit bzw. unbewusst statt: Wer beispielsweise von einem Volk mit eigener Identität ausgeht, geht notwendigerweise von einem bestimmten Wesenskern des Volkes aus, welcher sich mit der Zeit nicht verändert. Wer hingegen behauptet, Völker gebe es überhaupt nicht, oder sie stellten nur soziale Konstrukte dar, geht notwendigerweise von der Unmöglichkeit eines solchen Wesenskernes aus. In der heutigen Philosophie wird die Metaphysik verbrämt, sodass man diese im übertragenen Sinne als unnütz oder überholt betrachtet. Vor allem im angelsächsischen Raum verzichtet man fast vollkommen auf Metaphysik (siehe analytische Philosophie, zB. die Sprachphilosophie von Wittgenstein).
Metapolitik
Wörtl. über der Politik; bezeichnet den Kampf um die allgemeinen Werte, Stimmungen, Begriffsdefinitionen und Haltungen, die den politischen Kampf gesellschaftlich einrahmen. Beispielsweise hätte eine Bewegung wie der Refugees Welcome-Flüchtlingseifer 2015ff. niemals politisch wirksam werden können, wenn nicht im Vorfeld jahre- und jahrzehntelang Stimmung gegen Grenzverteidigung und für Aufnahme von nichteuropäischen Einwanderern gemacht worden wäre, angefangen von schulischen “Nein zu Rassismus”-Programmen bis hin zu Fernsehreportagen über die angebliche Größe der frühen islamischen Zivilisation. So herrschte schon vor der Flüchtlingswelle 2015 in bedeutenden Teilen des Volkes und seiner Eliten die Meinung, dass alle, die sich gegen den massenhaften Zuzug Fremder aussprechen, Rechtsextremisten seien; ein metapolitisches Klima, in dem effektiver politischer Widerstand gegen die Aufnahme von Millionen Nichteuropäern unmöglich war.
P
Progressivismus
Von Progress, dt. Fortschritt; bezeichnet den Glauben an einen geschichtlichen Prozess der Verbesserung, der unter Umständen noch immer anhält. In seiner gemäßigten Form kann Progressivismus zum Beispiel heißen, dass in der Geschichte Europas eine Höherentwicklung von unorganisierten, brutalen Stammesgesellschaften zu hoch organisierten, zivilisierten Kulturnationen stattgefunden hat. Diese Perspektive stößt immer dann auf Probleme, wenn sie mit Entwicklungen konfrontiert wird, die eher eine Verschlechterung der Gesamtsituation bedeuten (z.B. der zunehmende islamische Terror). Dann muss sie diese Entwicklungen entweder ignorieren oder zum Teil ihres Fortschrittmodels umdeuten, indem sie etwa den Terror als Anlass zur Überwindung vermeintlicher Diskriminierungsformen durch die Mehrheitsgesellschaft betrachtet. Andere Fortschrittsmodelle unterstellen etwa der Technologie oder der Sozialforschung bahnbrechende Möglichkeiten zur Überwindung gegenwärtiger Problemlagen (vgl. Elon Musks Technikideologie).

Veröffentlicht in Theorie

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