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Post-Covid-Kapitalismus

Die Corona-Pandemie bringt seit Monaten die Schattenseiten der Globalisierung zum deutlichen Vorschein und offenbart zugleich die Fähigkeit des liberalen Staates, beinahe über Nacht seine freiheitliche Maske ab- und die totalitäre aufzusetzen. Doch während das Maßnahmenregime bis dato vor allem die Mittelschicht und Kleinunternehmer beutelte, wird zunehmend deutlich, dass im Zuge der Pandemiemaßnahmen ein viel größeres Programm eingeleitet wird, nämlich ein politisch-ökonomischer Great Reset.

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Krisenregimes

Hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen um Corona und die wirtschaftlichen Folgen scheinen sich viele Ökonomen einig zu sein: Die Corona-Krise schlägt noch größere Lücken in den globalen Kapitalismus als die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er. Nun kennen historisch bewanderte Menschen die Folgen der zerstörerischen Krise 1929, womit die Frage, ob ähnliche Konsequenzen auch auf die heutige Krise zu erwarten sind, durchaus wirkt. Gemäß Hegel ereignen sich historische Ereignisse immer zweimal – einmal im schlechten, einmal als Karikatur. Wird der globale Kapitalismus nach Corona auch nur ein Witz sein?

Über die bekannten Folgen der weltweiten Lockdowns möchten wir an dieser Stelle nicht reden, denn ein Blick auf gängige Zeitungsmeldungen sagt alles Wesentliche. Die reichen Staaten des sogenannten Westens haben Hilfspakete in Billionenhöhe geschnürt, während global über 100 Millionen Jobs gestrichen wurden. In Indien sind innerhalb von Stunden Massen an Menschen arbeitslos geworden, und Ökonomie-Experten rechnen mit radikal niedrigeren Wachstumsraten für die nächsten Jahre.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen sorgten sogar für Reaktionen, die mancher gar nicht mehr zu erwarten glaubte: Die überall und mit aller Konsequenz im Folge der Finanzkrise 2008/2009 durchgedrückten neoliberalen Reformen von Privatisierungen bis zum forcierten Schuldenabbau ließ man fallen. Selbst auf EU-Ebene spricht niemand mehr von der sogenannten “Schäuble-Doktrin”. Es scheint sich etwas zu ändern. Nur in welche Richtung?

Big Tech

Es gibt ganz klare Gewinner der aktuellen Covid-Pandemie. Die großen digitalen Technologiekonzerne, die global agieren und vor allem mit ihren Nutzerdaten und Informationen wirtschaften, haben im Zuge des Lockdowns unglaubliche Gewinne einfahren können. Von den aktuellen Zahlen Amazons träumen Unternehmer und Buchhalter der klassischen Industrie. Der digitale Kapitalismus ist der Sieger. Der dringende Bedarf nach Homeschooling und Home Office, der boomende E-Commerce aufgrund der geschlossenen Läden und allgemein eine noch digitalere Welt haben den Technologiekonzernen einen Antrieb verpasst, mit dem noch vor 10 Jahren niemad hätte rechnen können.

Die Corona-Warnapp der Bundesregierung ist nur ein weiteres Beispiel, in welche Richtung der globale Kapitalismus schreiten wird. Denn nicht nur transnationale Technologiekonzerne freuen sich über ihren Wachstum, sondern auch Behörden und Regierungen, die endlich in Bezug auf einen angeblichen Zugzwang durch die Pandemie weitere Überwachungsmethoden durchdrücken können – natürlich nehmen sie dabei allzu gerne das Knowhow und Dienstleistungen eben jener digitalen Unternehmen an. Neben diesen zwei fröhlichen Gewinnern hat sich aber auch noch ein Spielverderber dazugesellt.

Je mehr die Segnungen und Träume der Globalisierung im Zuge der Gesundheitskrise verpuffen, desto stärker zeigt sich ein dialektisches Gegenstück zum transnationalen Kapitalismus. Im selben Maße, wie etwa durch offene Grenzen die Verbreitung solcher Viren gefördert wird und globale Lieferketten einbrechen, zweifeln immer mehr Menschen am staatlich oktroyierten Globalismus, da sie aufgrund ihrer Qualifikationen und anderen wirtschaftlichen Gründen zu den Verlierern der aktuellen Häutung des Kapitalismus gehören.

Revolte?

Und diese Verlierer – man konnte es schon 2016 am Wahlsieg Trumps erkennen – bilden den Nährboden für national-populistische Bewegungen, die wiederum den Staat als Beschützer ansehen. Anders gesagt: Der aktuelle digitale Kapitalismus zeugt möglicherweise selbst analog zu Kronos und seinen Kindern Bewegungen, die ihn letztendlich selbst beerdigen werden. Das globale wirtschaftliche System polarisiert immer mehr; es wird immer mehr Verlierer geben, während die Zahl der Gewinner schrumpfen wird. Noch können die Eliten und der politisch-mediale Komplex diesen Druck unter Kontrolle halten.

Die Frage wird sein, inwiefern die kapitalistischen Gesellschaften die wichtigste Frage beantworten werden: Wie werden sie den innergesellschaftlichen Klassenkonflikt zwischen Arm und Reich lösen? Die aktuelle Gesundheitskrise wird wie ein Katalysator diese Frage wichtiger machen.

Es gibt zwei mögliche Szenarien. Entweder werden politmediale Eliten und Technologiekonzerne immer weiter verschmelzen und dystopische Überwachungsgesellschaften errichten, in denen sehr wenige über sehr viele Menschen herrschen werden. In solchen Gesellschaften kann sich ein Klassenkonflikt niemals in ausreichender Menge artikulieren.

Krise als Chance

Oder der Druck in den Kesseln der reichen Gesellschaften wird immer größer, ohne gleichzeitig reguliert zu werden, sodass die Systeme zusammenbrechen. So würde Platz für etwas Neues entstehen.

Die Ereignisse am 18.11.2020 im Bundestag lassen leider auf das erste Szenario schließen. Jedenfalls ist die Coronakrise mehr als nur eine Frage, ob man Maske tragen möchte oder nicht. Diese Maske kann sich im schlechtesten Verlauf institutionalisieren. Dies würde einen weiteren Sieg der globalen Vereinheitlichung bedeuten: Sie schafft fortlaufend Fakten, und sie hätte ein weiteres Faktum geschaffen, dem sich niemand entziehen kann – eine weltweit sichtbare Markierung, dass wir alle unterschiedslos von derselben Elite regiert werden. Dass die große Elite mittlerweile vom Great Reset sprechen, wird kein Zufall sein.

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Veröffentlicht in Politik

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