Zum Inhalt springen →

Sie wollen kuscheln, nicht kämpfen

Die Junge Alternative wird als einzige Jugendorganisation nicht zum Magedburger Politiclash geladen. Neben Angst vor einer Abreibung sehen wir beim politischen Gegner vor allem Kartellbildung auf allen Ebenen.

konflikt

E-Sports sind so ein Ding. Wir können verstehen, dass gerade ältere Konservative der Meinung sind, man solle seine Zeit mit “Sinnvollerem” verbringen. Selbstverständlich denken auch wir, dass physischer Sport und geistige Fortbildung für politische Menschen das A und O sind. Gleichzeitig leben wir jedoch in der Gegenwart, und kaum einer unter 25 hat nicht über Steam, XBox Live oder PSN prägende soziale Erfahrungen gemacht. Ganze politische Sozialisierungen finden heute ihren Anfang in Gaming-Communities, und auch international sehen wir gerade bei der Generation der um das Jahr 2000 Geborenen eine massive politische – tendenziell konservative – Identitätsbildung um das Hobby Gaming.

Kein Liberaler

Der Grund dafür ist klar: Junge Männer, die Bruderschaft und taktischen Wettkampf suchen, spielen Rainbow Six: Siege. Wer zur Abwechslung eine funktionierende Gesellschaft erleben will, plant bei Cities: Skyline Städte oder fährt im Euro Truck Simulator Waren durch seinen Heimatkontinent. Und wer sich für Geopolitik und Geschichte interessiert, baut in Europa Universalis Imperien auf oder führt in Rome II: Total War das Werk der antiken Cäsaren fort. Der Voicechat ist einer letzten Orte, an dem junge Männer sie selbst sein dürfen. Die digitale Umkleidekabine.

Der Trend zur Politisierung der kulturellen Sphäre Gaming geht auch an liberalen und linken politischen Akteuren nicht vorbei. So lädt der Verein Magdeburg eSports e.V. am 23.08. zum POLITICLASH, einem Counter Strike – Turnier der sachsen-anhaltinischen Parteijugenden. Perfekt für die Corona-Pandemie geeignet, können so verschiedenen Gruppen von zuhause ihre Konflikte zwischen In- und Outgroup austragen. Mit dabei sind die Jusos, die Grüne Jugend, die Jungen Liberalen, die Linksjugend und, trotz aller Killerspiel-Bedenken von Mama und Papa, auch die Junge Union.


Die Parteijugenden der Superkoalition mit den Panafrikafarben treten also gegen die linke und liberale Fundamentalopposition an… Moment, da fehlt doch jemand? Richtig, die Junge Alternative, Jugendorganisation der zweitstärksten Partei des Landes, wurde einfach mal so “vergessen”. Offenbar will man ein Turnier veranstalten, ohne von der einzigen wirklichen Opposition auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden.

Kein Spiel für Linke

Man will also miteinander kuscheln, nicht gegeneinander kämpfen. Wir können uns schon vorstellen, wie das ganze ablaufen wird: Ein unvorsichtiger JUler wird in der Lobby anmerken, dass er das nicht so toll findet, die JA kategorisch auszuschließen. Die Grünen, Jusos und Linken echauffieren sich daraufhin in ihren Telegramgruppen über den vermeintlichen “Fascho”. Es werden Kemmerich-Witzchen gegen die JuLis geschossen, und mindestens ein Grüner ändert sein Playertag in “Analsex für den Volkstod”. Ausschließlich unter einigen Jusos findet sich so etwas wie ein stillschweigender Konsens, dass man das alles ziemlich scheiße findet, aber die Fraktionstreue überwiegt selbstverständlich. Im Finale werden Jusos gegen JuLis stehen, und Teamgeist wird sich gegen Bravado durchsetzen.

Nun könnte man als Ahnungsloser sagen, dass das ja gar nicht so wichtig sei, weil es sich schließlich nur um ein Gamingturnier handelt. Allerdings wissen wir, dass die kulturelle Sphäre ebenso politisch ist wie die institutionalisierten Gremien. Das betrifft auch und gerade die Jugendorganisationen, die ja hauptsächlich auf die Errichtung eines vorpolitischen Umfelds für Parteiaktivitäten abzielen. Entsprechend fielen die Reaktionen aus:

Diesem letzten Tweet können wir uns anschließen. Gaming wird sich als wichtiger Bestandteil der Jugendkultur weiter durchsetzen, und ganze Generationen werden in Zukunft gemeinsam über die Spiele ihrer Jugendzeit verbunden sein, so wie ältere Generationen sich jetzt an gemeinsame Filme und Radiohits erinnern können. Im selben Maße, wie die Kultur- und Medienwelt sich verändert, müssen auch Konservative sich weiterentwickeln – schließlich geht es uns nicht um die Fixierung der politischen Strukturen und Massenmedien des 20. Jahrhunderts, sondern um die Bewahrung unserer Nation und ihrer Identität. Ein wichtiges Standbein einer zeitgemäßen konservativen Bewegung wird die bewusste Ansprache der videospielenden Jugend sein. Die jungen Männer unserer Nation sind noch da, und sie errichten noch immer Weltwunder – zurzeit eben ausschließlich in Minecraft. Wollen wir darauf hinarbeiten, dass sie eines Tages ihre Visionen in die Realität umsetzen können.

Wenn Du mehr aus der Rubrik Gaming lesen willst, klicke hier.

Veröffentlicht in Gaming

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.