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Strukturen braucht das Lager

Was man immer häufiger in Verbindung mit den Themenfeldern Organisation und Bewegung hört, ist der Begriff der Struktur. Selten wird jedoch genau definiert, was unter einer Struktur zu verstehen ist, was sie für einen Nutzen bringt, und wie konkrete Strukturtypen aufgebaut werden können. Diese Fragen werden im vorliegenden Artikel behandelt.

Gastbeitrag von Marius

Leider findet man sie in jeder Großstadt Deutschlands, mittlerweile auch schon in Kleinstädten, abseits großer Ballungsgebiete der Republik. Sogar das so patriotische Dunkeldeutschland darf sich einiger dieser wunderschönen Objekte rühmen. Die Rede ist von linken Zentren. Gefühlt in jedem Dorf hat die Linke Immobilien, feste Treffpunkte, Partykeller, Wohnraum. Oft im Privatbesitz, manchmal illegal besetzt, häufig mit staatlicher Hilfe gefördert. Der Traum vieler politischer Rechter, der Gegner lebt ihn Tag ein Tag aus. Dieser bedauernswerte Zustand in Gesamtdeutschland verschafft der Linken einen riesigen Vorteil im politischen Kampf um die Köpfe unseres Volkes. Ihre zahlreichen Strukturen dienen nicht nur der Festigung, sondern auch dem Ausbau ihrer Macht.

Leider kann die Neue Rechte nach der Aufgabe des Flamberg in Halle nicht ein einziges Immobilienprojekt vorweisen. Ganz strukturlos sind wir nicht, ansonsten könntet ihr diesen Artikel hier nicht lesen, aber im Vergleich zum Angebot des Gegners  sieht es sehr mager aus. Ich werde im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes versuchen, Euch zu vermitteln, inwiefern diese Strukturarmut ein wirkliches Problem ist und wie es die Neue Rechte konkret benachteiligt.

Was ist mit Struktur gemeint?

Google liefert auf die Frage nach der Bedeutung des Wortes «Struktur» zwei Definitionen:

  1. Anordnung der Teile eines Ganzen zueinander; gegliederter Aufbau, innere Gliederung
  2. Gefüge, das aus Teilen besteht, die wechselseitig voneinander abhängen; in sich strukturiertes Ganzes

Das Grundproblem wird hier bereits ersichtlich: Eine Struktur ist also eine Anordnung kleiner Teilchen in einem größeren Ganzen. Was das linke vom rechten Lager in Deutschland unterscheidet, ist der Faktor «Ordnung». Schafft es die Linke sogar im letzten  Winkel Ostdeutschlands Zentren aufzubauen, kriegen wir das nicht mal in Regionen mit Ansätzen von patriotischem Grundkonsens hin. Weil wir nicht organisiert sind.

Ordnung ist einer der wichtigsten Faktoren im politischen Kampf. Ordnung und Disziplin triumphieren in den meisten Fällen über die Unordnung oder bloße numerische Überlegenheit. Die militärischen Erfolge des römischen Imperiums oder des quasi-Erfinders der Disziplin Preußen stützen diese These. Die Fähigkeit, als größeres Ganzes aufzutreten, verleiht eine ungeheure Strahlkraft. Die Menschen wissen um die Wichtigkeit dieser Eigenschaft, fühlen sich deswegen automatisch von ihr angezogen. Gleichzeitig stoßen Unordnung und Chaos auf Abwehrreflexe, diese stehen nämlich oft auf der Verliererseite der Geschichte. Und wer will schon verlieren? Niemand!

Die Frage, die mich schon länger umtreibt ist, wie wir es schaffen, Strukturen im Lager aufzubauen. Ich habe bis jetzt nur ein Hausprojekt erwähnt, es gibt allerdings viele weitere Formen der Struktur. Kulturvereine, Interessengemeinschaften oder Online- Chatgruppen wie Discord erfüllen die von Google gegebene Definition einer Struktur. Es muss nicht gleich eine Immobilie in der Innenstadt sein. Doch leider hat das Lager auch auf diesem Feld momentan keine große Auswahl anzubieten, die Problemstellung gilt also auch hier.

Welche Strukturen sollen wir bauen?

Alles ist Politik. Vom Kleidungsstil über die Einrichtung deiner Wohnung, deine Essgewohnheiten oder das Auto, das du fährst: Jede deiner Entscheidungen im Leben lässt Rückschlüsse auf deine Motivation, die deinem Charakter zugrunde liegende Philosophie, zu. Jede Form der Struktur ist also für unsere Zwecke instrumentalisierbar. Vom Volkstanzclub über Heavy-Metal-Bands hin zum Stadtverband einer Partei oder eine Aktivistengruppe. Alles ist irgendwie Politik.

Gewisse Strukturen sind der Neuen Rechten sicher dienlicher als andere. Deswegen will ich einige spezifische Projektformen näher beleuchten.

Wohnprojekte

Wohnprojekte bieten mehreren Aktivisten einen Ort zum Leben. Die einfachste Form ist die WG, bei jungen Leuten sehr beliebt, da eher finanzierbar. Permanente Gesellschaft gleichgesinnter Jugendlicher ist sicher neben dem Finanziellen der zweitgrößte Anreiz einer Gründung. Eine WG hat man schnell gegründet und sie bietet viele Vorteile. Ich wohne schon lange mit Mitstreitern zusammen und das war immer eine sehr fruchtbare Struktur. Viele für mich heute prägende Erkenntnisse in fast allen Lebensbereichen habe ich von meinen Mitbewohnern erhalten. Dank ihnen mache ich regelmäßiger Sport, ernähre mich gesünder, durfte Bücher durchblättern, die ich sonst eher nicht in die Hände bekommen hätte usw. Eine WG mit guten Leuten gleicht einer Kaderschmiede.

Sollte man das Glück haben, dank ausreichendem Kapital ein Objekt nicht nur zu mieten, sondern gar zu kaufen und auszubauen, wäre das der Sache sicherlich umso dienlicher. Häuser muss man nicht nur zum Wohnen benutzen, sie können Treffpunkte und Veranstaltungsorte für alles Mögliche sein, solange Platz und Ort es zulassen. Vielleicht springt dabei sogar etwas Geld heraus, das man wieder in andere Projekte reinvestieren kann?

Online-Gruppen

Online-Gruppen auf Whatsapp, Telegram oder Discord sind vor allem für Leute geeignet, die im persönlichen Umfeld keine direkten Kontakte zu Gleichgesinnten haben. Internetgruppen haben oft einen schlechten Ruf, nicht zu Unrecht, wissen jene, die viel Erfahrung damit haben. Dennoch bieten sie Potential, wenn man sie richtig leitet und dafür sorgt, dass sie nicht als Müllhalde für gefrustete Wutbürger und ihre Verschwörungstheorien oder unrealistischen Umsturzphantasien verkommen.

Das gezielte Sammeln und Organisieren in solchen Gruppen kann gute Früchte tragen. Optimalerweise gelingt es, die Teilnehmer im realen Leben zusammen zu bringen. Sollte das – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich sein, versucht man sie gezielt auf gewisse Instagram-, Facebook- oder Twitter-Posts zu leiten: Liken, Disliken, Kommentieren, Teilen etc.. Tastaturkreuzrittertum sollte nicht zu unserem bevorzugten Aktivismus gehören, aber sollte sonst nichts anderes gehen, ist es besser als nichts. Macht im Internet ist auch Macht.

Eigene Medien

Kann sich das gegnerische Lager gleich mit dutzenden Nachrichtenmagazinen, Talkshows, Rechercheteams und Influencern brüsten, ist die Neue Rechte auf Sezession, InfoDirekt, Martin Sellner und ein paar Blogs reduziert. Neben fehlenden Freiräumen für patriotische Jugendliche wohl einer unserer größten strukturellen Mängel.

Eigene Medien sind für unsere Sache essentiell. Sie führen Andersdenkende oder Neutrale in unsere Weltsicht ein, festigen diese für bereits vorhandene Anhänger und bilden optimalerweise sogar weiter. Ich werde im Weiteren noch genau darauf eingehen, inwiefern sich unsere Defizite auf diesem Gebiet konkret als Nachteil erweisen. Solche Strukturen müssen allerdings von Leuten gebaut werden, die bereits fest in ihrer Weltanschauung sind und diese gut vermitteln können. Sie erleichtern anderen damit den Einstieg in unsere Welt enorm. Ein guter Artikel, ein sauber ausgearbeiteter Podcast mit guter Soundqualität, erspart einem eventuell stundenlange Spenglerlektüre. Die Videos eines Fitnessinfluencers, der einen Ernährungsplan und einige Übungen präsentiert, motivieren vielleicht jemanden, mehr Sport zu treiben, spart er doch jetzt den Aufwand, sich alles selbst erarbeiten zu müssen. Vielleicht ist das Projekt sogar so gut, dass sich auf Dauer davon leben lässt?

Folgen unserer Strukturlosigkeit

Unser Mangel an Strukturen wirkt sich ganz konkret auf unsere politische Arbeit aus. Alexander Kurtagic hat uns seine These dargelegt, «warum Konservative immer verlieren». Sie verstehen das Wesen der Politik und des Menschen nicht. Menschen treffen die meisten ihrer Entscheidungen nicht nach logischem Überlegen und Studieren der Fakten; es sind Emotionen, die sie umtreiben. Ihr Gerechtigkeitsgefühl, ihre Bedürfnisse nach Anerkennung, Angst vor Ausgrenzung usw.

Die linke Kulturhegemonie in Staat und Gesellschaft lässt die Leute bereits früh nach links driften, bevor sie einen philosophischen Blog lesen, sich mit politischen Fragen beschäftigen oder in der Schule mit den Lehrern diskutieren. Die Rechte ist dadurch im Nachteil. Wer trotz der linksliberalen Dauerbeschallung seinen Weg in dissidente Kreise findet, trifft auf strukturlose Gruppen. Keine Freiräume, wenig Projekte, in die man sich einbringen kann, keine wirklichen Identifikationsfiguren: Wir können die Leute bei uns nicht halten.

Selbst wenn eine relevante Zahl an Personen mit dem herrschenden System bricht oder wie momentan die Coronademos dessen Sichtweise zumindest in Frage stellen, ohne die wirklich heißen Eisen anzupacken, gleitet uns dieses Protestpotential meist durch die Finger und landet – wie im Beispiel Corona – bei «Querdenken» und Attila Hildmann.

Baut Strukturen

Es liegt an jedem von uns, diesem Zustand ein Ende zu setzen. Unser politisches Kapital muss in Strukturen investiert werden. Überlegt euch, worin ihr gut seid und wo ihr eure Fähigkeiten einbringen könnt. Sucht euch Mitstreiter und legt los. Alles ist Politik, von der Garagenband bis zum Heidegger-Lesekreis, vom Boxgym bis zum Künstleratelier.

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Veröffentlicht in Gastartikel

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